Alles begann mit einer Idee 2015.
„Ich habe einfach alle Teile entfernt, die nicht der David waren“ soll Michelangelo geantwortet haben, als man ihn fragte, wie er diese Skulptur aus diesem riesigen, unförmigen Stein erschaffen konnte. Irgendwie so fühlt es sich an, als Antje, Sophie und ich uns vor 10 Jahren an diesem heißen Tag nach einem langen Fotoshooting-Tag in einem kleinem und viel zu staubigen Zimmer der “Petit Etage” am Lietzensee anschauten. Schminken, umziehen, fotografieren, nur um wieder abzuschminken, neu anzukleiden und noch mehr Bilder zu machen. Völlig fertig, aber irgendwie glücklich, ohne zu wissen, was wir da gerade geschaffen haben. Dieser Situation wohlwissend schob ich meine Augenbrauen hoch und schnalzte mit meiner Zunge beim Betrachten der Fotos auf dem Display meiner nagelneuen Nikon D750, um somit ein wenig meine Unerfahrenheit zu überspielen. Schließlich war das eine meiner ersten Reportagen, und ich stammelte so etwas wie: “Also ich habe, alles, was ich wollte… Und ihr?” Wie dumm von mir. Damals, 2015.
Drei fremde Menschen ohne Plan, nur mit der selben Idee: Ein Fotoshooting im Stil der goldenen Zwanziger. Eingesperrt in einer mit alten Möbeln aus allen historischen Epochen zusammengestellten Wohnung, fast schon zu kitschig. Im Nebenzimmer der etwas düster dreinschauende, aber sehr nette Cerell, Besitzer der “Petit Etage Am Lietzensee”, der unbestellt während des gesamten Shootings an seinem alten Klavier spielte und Arien dazu trällerte. Nicht gut genug, dass sie mir unbedingt inhaltlich in Erinnerung blieben, aber allemal ausreichend, um unserer Unternehmung an diesem Tag eine etwas passende musikalische Umrahmung zu geben. Der passende “Mood”.
Sagt man.
Danach trennten sich unsere Wege für viele Jahre, ohne dass die Ergebnisse jemals so richtig in seiner Gesamtheit auf oder in einem Medium präsentiert wurden. 3, 4 Bilder auf Instagram, ein paar noch weniger bei Facebook. Zeigten sie doch aber nie den gesamten Tag. Schnell vergessen, aber viel zu schade, um nicht würdig gezeigt zu werden. Ich hatte immer irgendwie mit der Entwicklung der Bilder angefangen, nur um dann doch nicht fertig zu werden. Nie war ich richtig mit mir und meiner Arbeit zufrieden.
10 Jahre und 3 graue Januarwochen später habe ich nun die “alte Filmrolle” von damals noch mal aus dem Schrank geholt und Puccini hörend alles neu und ausschließlich in s/w überarbeitet, so wie ich es eigentlich schon längst hätte machen müssen. Aber letztlich werden Wein und Erinnerungen mit den Jahren immer besser!
Sagt man.
Ich habe beim Betrachten der Bilder den muffigen Geruch des Zimmers wieder in der Nase.
Antje und Sophie. Ihr wart und seid großartig.
Danke!